Platon im 21. Jahrhundert

Über Platon´s Höhlengleichnis

In seiner Politeia (nichts für Leseschwache!) verwendet Platon das berühmte Höhlengleichnis und stellt die Frage ob überhaupt und wie Menschen gebildet werden können und ob und wie die Menschen die Wahrheit erkennen können.

In seinem Gleichnis stehen die Menschen gefesselt mit Sicht zu einer Wand. Hinter ihnen ist eine Lichtquelle, und so werden Schattenspiele an die Wand geworfen. Diese Schattenspiele halten die Gefesselten für die Realität, denn… sie sind von Kind auf in eben dieser Höhle. Sie sehen nur geradeaus vor sich hin auf diese Schattenspiele auf der Wandfläche.

Auch von sich selbst haben die Gefangenen nicht mehr gesehen als die Schatten, die durch die Lichtquelle auf die ihnen gegenüberliegende Höhlenwand geworfen wurden.

Unschwer kann man sich vorstellen, was passiert wenn jemand entfesselt würde, den Hals umzuwenden, draußen ins Licht zu schauen. Dieser würde ja bei seiner etwaigen Rückkehr den anderen von seinem Blick ins Licht erzählen. Er würde durch den neuen Gesichtspunkt auch die Finsternis anders erleben und verstehen.

Bei den anderen Gefangenen würde er sich wohl unbequem machen. Man würde von ihm sagen, sein Aufstieg nach oben wäre ihm in den Kopf gestiegen und schon der Versuch, nach oben zu gelangen, sei verkehrt…

Menschen sind so, offensichtlich.

Heute werden die Fesseln und die Mauerwand durch Fernsehschirme und Stammtisch-Tresen ersetzt.

Die Ideen sind das Wirkliche der Welt. Die Scheinwelt, die uns die Werbung per Bandenwerbung (tolles Wort) durch Formel Eins, TV-Tennis und TV-Dauerserien liefert, stellt nur Schattenbilder dar.

Die Cäsaren der Römerzeit lieferten „panem et circenses“ Brot und Spiele, damit die Römer nicht groß nachdenken brauchten.

Die Menschen verlassen die Behaglichkeit der Schattenbilder nicht gern. Die wenigsten Menschen merken, dass sie im Schattenreich leben; sie kennen die Gesetze der Geschichte nicht.

So wird demjenigen, der nackte Leiber aufeinander schichtet, mit Segen der Stadtverwaltung Düsseldorf ein öffentlicher Platz zur Verfügung gestellt. Bibliotheken und Museen kommen in Geldnot.

Im Rundfunk halten die Kommentatoren am Faktor Einsdreissig fest, weil die Hörer (durch TV?) verlernt haben länger als eine Minute und 30 Sekunden aufmerksam zuzuhören.

Der Begriff Kultur hat sicher mit Kultur zu tun, oder? Ich bin mir da nicht sicher. Eines scheint mir klar: Die Politiker haben die Kultur verloren und den Lobbyisten zu lange zugehört.

Der Kulturverfall beeinflußt das öffentliche Leben nachhaltig:

4 Millionen Analphabeten in Deutschland.
Na bravo.

Dem Bauern werden Subventionen bezahlt, damit er seine Felder nicht anbaut.

Wir lassen Künstler verhungern und schicken Lehrer auf die Straße während wir gleichzeitig Kindergärten aus Fachkräftemangel schließen usw. usw.

Die Liste der Höhlen-Schattenspiele ist lang. *ggg*

Die Tageszeitungen schildern unsere Welt wie ein schlechtes Theaterstück in dem wir die zahlenden Zuschauer sind.

Verharren wir angesichts dieser Schattenspiele meist nicht in kindischer Tatenlosigkeit? Vor allem im Zeitalter des Fernsehens?… Ob es sich nun um „Fiktionen“ oder um „Nachrichten“ handelt, wir sind weniger denn je in der Lage, uns den Bildern zu entziehen, die vor unseren Augen vorüberziehen.

Im Übrigen übertrifft die Realität häufig bei weitem die Fiktion… Überdies ist der Zuschauer inzwischen „verkabelt“ und das Angebot an Bildern so groß, dass es möglich geworden ist, ständig ein fremdes Leben zu führen.

Wozu also dem Realen Bedeutung beimessen? Warum gegen die Trivialität des Alltags ankämpfen, wenn das Paradies in der Künstlichkeit des modernen „Panem et circenses“ – Brot und Spiele –(heute Event-Kultur, Serien-TV, Formel Eins etc. …) liegt?

Platon hat es genau gesehen: die Gefangenen leiden nicht mehr an ihren Ketten – sie freuen sich über diese Ketten offensichtlich … aus purer Bequemlichkeit … (?)

Und aus Angst, sich einem großen Gedanken zu nähern, wird dem nächsten Event entgegen gefahren, dem nächsten Container-TV-Erlebnis entgegen gelebt.
Na, danke für Backobst!

winkt
Bernd

Wir lesen uns

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