Wimpern, Flirt und 1000 Düfte

Wimpern, Flirt und 1000 Düfte
Ein Outing

Hallo Cyber-Freunde!

Es war in meiner Herzflimmer-Zeit, mitten in den 1960er Jahren. Ich war noch keine 20 Jahre alt, aber es war doch schon die Zeit des ersten selbst verdienten Geldes, die Zeit der ersten Schritte ins Berufsleben, erwachsen (ein wenig*gg*) wurde man damals noch ganz nebenbei.

Die Düsseldorfer Tanzschulen Kaechele, Dresen und von Kayser spielten eine große Rolle in der Freizeitplanung der damaligen Zeit. Im Mannesmann-Büro waren Anzüge alternativ „gedeckte Blazer-Kombination“ Pflicht, in der Tanzschule sowieso. Als junger Mann bemühte man sich ganz selbstverständlich um eine gepflegte Erscheinung; die verwirrenden jungen Damen und das sonstige Umfeld sorgten dafür.

Einen tollen Duft, ein Eau de Toilette(?) hatte ich auch für mich entdeckt. Das Duftwasser hieß Mens Classic, das war ein Produkt von Mäurer & Wirtz. Der Duft wurde wurde ergänzt/unterstützt durch Seife der Fa. Kappus.

Das Duftwässerchen entwickelte sich auf meiner Haut sehr günstig, die Tanzpartnerinnen erschnupperten es gern. Und es war ein teures, da war ich ganz sicher. Es kostete 12,50 DM! Ein Hinweis zur Relation: Für 5,– DM konnte man damals einen tollen Altstadt-Abend haben oder ins New-Orleans gehen und die Nacht zum Tage machen.

Dann geschah es:

Eine Zeitungsanzeige in der RP führt mich am Sonnabend in die Stadt. Neueröffnung der Parfumerie Stottrop. Alles sollte ganz anders sein als in den Drogerien der damaligen Zeit.

Sonderangebote sollte es geben, und ich wollte nachschauen, ob ich mein Mens Classic nicht günstiger erwerben konnte.

Im Geschäft gab es einen Riesenandrang. Ich eroberte einen Platz an einer der Ladentheken. Eine junge Dame im weißen Kittel probierte gerade neue Wimperntusche aus. Ich lachte sie an und sagte „Klimpern Sie doch mal!“

Und sie… flirtklimperte. Und wie sie klimperte! Wir lachten uns herzlich an und sie fragte: „Suchen Sie etwas Bestimmtes?“

„Ja!“, antwortete ich, „ein Eau de toilette!“
„Was nehmen Sie denn zur Zeit?“
„Mens Classic!“

Wäre die Dame nun eine schlechte Verkäuferin gewesen, hätte sie gesagt: „Das haben wir nicht!“ und aus wärs gewesen mit dem Stottrop-Einkauf.

Aber sie war eine gute Verkäuferin, wie jeder gleich merken wird!
Denn sie sagte: „Mens Classic? Doch nicht für einen Typ wie Sie!“

Phonetisch klang das Wort Typ wie Tüüüp, und diese goldenen Worte wurden abermals von erneutem Wimperklimpern begleitet. Sie wandte sich kurz ab und kam mit einem besprühten Pappstreifen wieder: „Das dürfte Ihr neues Eau de toilette sein!“

Welch ein Duft!
Ich wimperklimperte sie an und fragte sie nach dem Preis.

Sie ignorierte die Frage mit nachsichtigem Wimperklimpern, nahm meine Hand und besprühte den Puls mit dem Dufterzeugnis. „Das ist Monsieur Rochas von Rochas! Das wird sich auf Ihrer Haut bestens entwickeln; achten Sie mal nach dem Tanz und nach der Arbeit darauf!“.

Die Lebens- und Dufterfahrenen unter meinen LeserInnen werden es ahnen:

Als wir mit dem Wimperklimpern fertig waren, kam ich mit dem Bargeld nicht aus, ich musste einen Scheck zücken.

Als ich von der Kasse kam, hatte ich zwar für den Monat kein Taschengeld mehr, aber… ich hatte alles von Monsieur Rochas, die ganze Serie! *gg*

……….
Falls es noch wen interessiert: Der Spontankauf hat mich nie gereut. Das Produkt war sehr ergiebig, 100 ml hielten jahrelang. Monsieur Rochas war mein Duft bis in die 50er Jahre meines Lebens. Ich ersetzte es erst, als Firma Rochas die Produktion einstellte und es selbst über Versand und Frankreich-Einkauf nicht mehr zu kaufen war.

Nachsatz:
Die kleine Story habe ich im Beruf Mitarbeitern immer dann erzählt, wenn es um die Frage ging, was heißt das eigentlich im Verkaufsgespräch, „den Kunden physisch mit einzubeziehen?“

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